Aktuelle Ausstellungen

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Jung, dynamisch und lebendig so präsentiert sich die die Ausstellung der beiden Frankfurter Künstler.

Dies gilt insbesondere für Max Weinberg, der im Januar 2018 seinen 90. Geburtstag feiern wird. Er zählt zu den schillerndsten Gestalten der Frankfurter Kunstszene. Seine Ausdrucksmalerei ist expressiv, schrill und trifft den Nerv der Zeit, ohne anbiedernd zu wirken. Leuchtendes Pink, Giftgrün oder Hellblau, zumeist gefasst in schwarze Konturen, bestimmen seine Palette. Seine Gemälde entsprechen dem ästhetischen Empfinden einer durch Graffiti und Pop-Musik geprägten Kultur. Aufgrund seiner Vita wirft seine durch Überzeichnung und Verfremdung gekennzeichnete Kunst aber zugleich immer auch soziale und ethische Fragen auf. Sie wendet sich gegen Gewalt, Sexismus sowie Rassismus in unserer Gesellschaft. In Max Weinbergs Malerei geht es um die Verhaltensmuster von Großstadtmenschen, die Darstellungsgesellschaft und ihre Abartigkeiten, Gewalt, Sexismus, Rassismus, Repression, Unterdrückung oder auch um Freiheit, Phantasie, Malerei und den Akt der künstlerischen Gestaltung. Max Weinbergs, im Spannungsfeld zwischen figürlicher Entfremdung und ironischer Provokation angesiedelten Darstellungen, darunter Menschen mit drei Beinen und fünf Augen oder Frauen mit acht Brüsten werfen weitreichende Fragen nach der Beziehung zum eigenen Körper, zum Selbstbild der Geschlechter sowie zur Definition des eigenen Selbst auf. Dies geschieht immer auf provokante, zugleich humorvolle und überaus amüsante Weise.

Der Kunstverein Bad Nauheim zeigt eine kleine, aber wichtige Auswahl seiner eindrucksvollen „megafetten“ Arbeiten sowie eine Fülle von Zeichnungen.

Bertram Schüler (53) zeigt in der Rotunde der Galerie in der Trinkkuranlage eine Fülle seiner Arbeiten aus dem Werkbereich Masken. Er selbst schreibt dazu:

„Affen, Clowns und Narren dürfen alles! Deswegen waren sie mir schon als Kind die Liebsten. Und Fastnacht mein größtes Fest, stärker als Ostern und Weihnachten zusammen… Hinter der Maske ist das Selbst geschützt und keinem Zugriff ausgeliefert. Das sich die Erwachsenen perfekt verstellen, auch ohne sichtbare Maske, wusste ich damals noch nicht. Später dann, als sechzehnjähriger Bildhauerpraktikant, fertigte ich eine Schriftübung in Sandstein mit meinem Namen und einer Relieffigur: mit einer Hand hält sie eine Maske vor das Gesicht, mit der anderen Hand schlägt sie ein Tamburin.

Portraitbüsten zu modellieren, eine klassische Übung der Bildhauerei, ist etwa so, wie in der Musik das Spielen nach Noten. Bei meinen großen, karikaturhaften Portraits der Fastnachtsköpfe nach Politikern mussten viele verschiedene Fotos herangezogen werden, um die größtmögliche Wiedererkennbarkeit zu erreichen. Wenn mir die zu präsentierende Berühmtheit mit ihren Gesichtszügen auch noch missfiel, war es oft ein anstrengender „Job“. Lehrreich daran war allerdings, dass ein Gesicht auf gewisse Motive seines Baus reduziert werden konnte.

Die Kunstarbeit mit Bewohnern eines Frankfurter Altenheims vor einigen Jahren stellte mich vor die Aufgabe, leichte und große Figuren zu erstellen, die mit geringen Mitteln stabilisiert und bemalt werden konnten.  So kam ich zu den Kartonmasken, bei welchen alles anders liegt: das Motiv ist quasi schon im Format oder der Eigenart des Kartons verborgen: eine ausklappbare Blechzotte eines Milchtütenkartons gibt den Schnabel eines Vögelchens, und wo der Schnabel da ist, folgt der Rest des Vogels sogleich…

Welchem Kult die Masken dienen können, weiß ich nicht (Personenkult um einen „Künstler“ läge mir jedenfalls fern…) Vielleicht sind sie Fetische des Ausstellungsbetriebs. Vielleicht kommt eine wilde Meute, reißt sich die Kleider vom Leib, setzt sich die Masken auf und fängt an, wild zu tanzen oder zu spielen – mir wäre es recht!